Windbelaubte Welten *** von Rose Ausländer

Mai 2, 2009

Wir rufen die Heiligen an

weil wir allein sind

der Vater fruchtlos war

die Jahre Schein sind

die Mutter im Grab ist

und nicht mehr singt

 

Wir trinken verbotene Lieder

spielen mit Freunden Versteck

und laufen windbelaubte Welten entlang

 

Wir erfahren

in endlosen Metamorphosen

unsere Urväter und Urmütter

Luft  Fische  Pflanzen

und daß unsere Brüder und Schwestern

stille Tiere sind

giftige Kreaturen

feuerspeiende Krater

träumende Steine

 

Wir pilgern zum Orakel

aus dessen Mund die Sterne sprießen

und fragen nach unserem Namen

 

  

Den Weg finden***von Rose Ausländer

Mai 2, 2009

Nachts schwimme  ich

Im Strom der Sterne

Die mich träumen

 

An Feiertagen

Lieg ich im Waldschatten

Und sehne mich

Nach dem Licht das erleuchtet

 

Um meinen Weg zu finden

Zu deinem Weg

dsci0033

Kommt- ***Gottfried Benn

April 23, 2009

Kommt, redern wir zusammen

wer redet, ist nicht tot,

es zügeln doch die Flammen

schon sehr um unsere Not.

Kommt, sagen wir: die Blauen,

kommt, sagen wir, das Rot,

wir hören, lauschen, schauen

wer redet, ist nicht tot.

Weil***Rose Ausländer

April 22, 2009

Weil

du ein Mensch bist

weil

ein Mensch eine Muschel ist

die manchmal tönt

weil

du in mir tönst

als wär ich eine Muschel

weil

wir uns kennen

ohne Namen und Samen

weil

das Wort Welle ist

weil

du Wort und Welle bist

weil

wir strömen

weil wir manchmal

zusammenströmen

Wort Welle Muschel Mensch

Gemeinsam***von Rose Ausländer

April 20, 2009

Vergesset nicht
Freunde
wir reisen gemeinsam

besteigen Berge
pflücken Himbeeren
lassen uns tragen
von den vier Winden

Vergesset nicht
es ist unsere
gemeinsame Welt
die ungeteilte
ach die geteilte

die uns aufblühen läßt
die uns vernichtet
diese zerrissene
ungeteilte Erde
auf der wir
gemeinsam reisen

ein Tag auf der Spur des Innen

April 20, 2009

die Frage, ob der inneren stimme immer zu folgen sei, und überhaupt ob sie nur eine ist… das liegt, meiner meinung nach an der definition von Stimme. Auch das innen ist diskussionswürdig in meinen Augen.

letzteres zu beginn

Eben gab der Professor in historischer Pädagogik (den Bacchelorleuten) die Aufgabe auf, ein selbstgewähltes Zitat auf zwei Seiten zu interpretieren. Da ich zuvor das Zitat gepostet habe, wurde ich hellwach, obwohl ich MA studiere. Ich folge also gerade dem Ruf einer äusseren Stimme. Natürlich folge ich aber nicht jeder äusseren Stimme. Zuvor sollte sie eine Innere gewesen sein. Die Worte des Professors lösten bei mir das Gefühl aus, ja, das passt zu mir. ich habe mir diese Aufgabe selbst gegeben, kein Schein oder Leistungspunkt sind die Erlösung. Ja gut, dass hier ein Text in meinem Blog erscheint, und erklärt, warum das Zitat an dieser Stelle steht, war ein nicht unwesentlicher Punkt..

Mir geht es um die Verschachtelung von innen und aussen. Das Zusammenfliessen, das das Zitat für Interaktion öffnet, und in einen sozialen Kontext setzt. Kommt da grad ein kleines Wir-Gefühl in Dir auf?

Das Hinführenlassen kommt in dem Zitat zum Ende hin ja auch vor…aber dazu muss gesagt sein: Achtung, ich für meinen Teil stosse dabei auf starke Widerstände. Habe Angst, dass alles noch schlimmer wird, die Vorurteile sich verhärten. Wobei manchmal der Trotz hinzukommt und meint, die werden bald so starr sein, dass sie zerbersten. Dies darf nicht das letzte Wort dabei sein, denn dies sagt nicht die Liebe..

Ich meinte das Zitat an dieser Stelle (im Mogis-Blog) ja in weiterem Sinne in Bezug auf die Protest-Ereignisse der letzten Tage, also will ich mal dort anfangen: um zu einer solchen Aktion zu motivieren reicht keine Stimme. Es ist eher ein Fluss (von Stimmen?). Oder Stimme, von Bestimmung abgeleitet gedacht.

Der inneren Stimme immer zu folgen ist demnach eine Scheinfloskel. Es gibt wie bei allem das richtige Mass. Die richtige Strömung, oder Wassermenge oder Temperatur (individuelle Wahrnehmng). Wichtig ist das Öffnen, sich Freiheit geben können, im richtigen Moment. Ich finde da droht die Bettine ein bisschen zu sehr mit dem Zeigefinger: blind und taub und so weiter._ man müsse sich sonst hinführen lassen..

ein liebes Mantra von mir ist in Worte gefasst ungefähr so_

ich werde im richtigen moment das richtige tun können. (achtung, es folgen zweifel:) und wenn nicht werde ich auch daraus etwas lernen können.

Ach ja: jeden Tag ein Apfel hält gesung.-

(Auf zur nächsten Lehrveranstaltung. Name: Mystik. Übrigens hiess auch das Buch so, aus dem das Zitat stammt. Mystik. Lesebuch für Nachdenkliche. Nix Goethe;)

so bitte, mein erster blog

Also Mystik war ganz locker eigentlich.

ich saß ganz hinten in einem etwas abgetrennten Raum, ein Flur, weild er Raum schon voll war. Da das Seminar nicht für meinen Studiengang ausgeschrieben ist, hab ich auch niemanden gekannt und bin in die Versenkung geraten,  was ja passt, denn Mystik heisst verschlossene Augen und Mund, irgendwie so. Interessant war, dass der Dozent immer plötzlich nach oben an die Decke geguckt hat. Ich dachte, er folgt einem Lichtpunkt aber es war nur die Gegenbewegung zu den den Blickkontakt verwehrenden Kommilitonen, wie ich irgendwann resümierte. Ständig ging es um irgendetwas, nicht näher spezifiziertes “Inneres”. Hinterher sah ich den Dozenten in nen Benz steigen. Ganz locker. Naja, soviel dazu.

In der dritten Veranstaltung hats gefunkt sozusagen; es ging sogar um die Internetzensur anhand von Kipo-

Kant war der Initiator und die Vorlesung heisst Leben aus Freiheit- Frühidealismus in Deutschland

Kants Kritik der praktischen Vernunft endet mit zwei Hinweisen: der bestirnte Himmel über mir (das aussen) und das moralische Gesetz in mi, die uns Freiheit weisen-

ausserdem hab ich den Unterschied an innerer (libertas volendi- Willensfreiheit) und äusserer Freiheit (libertas agendi) gedanklich nachvollzogen

zwischendurch steckte ich ein bischen in der zähen, grauen Masse fest, der Blog hier war ein farbiger Tupfer. Jetzt auf zur Nummer vier, aber was selbstorganisiertes: Umsonstladen in Potsdam aufmachen!!!!!!!!!!!!!!!!!:):):):)!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!:)!!!!!!!!!!

..in diesem Sinne…

April 20, 2009

“Wer der Stimme in seiner Brust folgt, der wird seine Bestimmung nicht verfehlen, dem wächst ein Baum aus der Seele, aus dem jede Tugend und jede Kraft blüht, und der die schönsten Eigenschaften wie köstliche Äpfel trägt, und Religion, die ihm nicht im Weg ist, sondern seiner Natur angemessen, wer aber dieser Sitmme nicht horcht, der ist blind und taub und muß sich von andern hinführen lassen, wo ihre Voruteile sie selbst hinverbannen.” Bettine von Arnim (in: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde, S.396)


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.